
Strahlentherapie bei Hirnmetastasen
Ablauf und Optionen verständlich erklärt
Was sind Hirnmetastasen?
Hirnmetastasen sind keine eigenständige Hirnkrebserkrankung. Sie entstehen, wenn sich einzelne Zellen eines Tumors aus einem anderen Körperbereich über die Blut- oder Lymphbahnen ins Gehirn absiedeln. Eine Hirnmetastase trägt deshalb den Charakter des ursprünglichen Tumors. Am häufigsten gehen sie von Lungen-, Brust-, Haut-, Nieren- und Darmtumoren aus.
Bemerkbar machen sich Hirnmetastasen sehr unterschiedlich. Manche verursachen Kopfschmerzen, Schwindel oder neurologische Auffälligkeiten, andere werden bei einer Kontrolluntersuchung entdeckt, noch bevor sie Beschwerden bereiten. Weil die moderne Bildgebung immer feiner geworden ist, lassen sich heute selbst kleine Herde früh erkennen.
Entscheidend ist ein Unterschied zwischen Tumorzellen und gesunden Zellen: Krebszellen teilen sich meist schneller und können dadurch Schaden nehmen, während gesundes Gewebe in der Regel besser regeneriert. Aus diesem Grund wird die Gesamtdosis bei vielen Behandlungen nicht auf einmal verabreicht, sondern über mehrere Sitzungen verteilt.

Welche Optionen gibt es?
Welches Verfahren infrage kommt, hängt vor allem von Zahl, Größe und Lage der Metastasen ab. Die Arten der Strahlentherapie bieten dafür mehrere Wege.
Stereotaktische Radiochirurgie – Bei einzelnen oder wenigen, klar umgrenzten Metastasen wird eine hohe Strahlendosis aus vielen Richtungen exakt im Zielpunkt gebündelt. Spezialisierte Systeme wie ZAP-X, Gamma Knife oder CyberKnife arbeiten im Submillimeterbereich. Häufig genügt eine einzige Sitzung, meist ambulant und ohne Narkose.
Ganzhirnbestrahlung – Sind viele Metastasen im Gehirn verteilt, kann eine Bestrahlung des gesamten Gehirns sinnvoll sein. Die Dosis wird über einige kurze Sitzungen verteilt und erfasst auch kleine Absiedlungen, die auf Bildern noch nicht sichtbar sind.
Operation und anschließende Bestrahlung – Ist eine einzelne Metastase groß oder verursacht sie deutliche Beschwerden, wird sie mitunter zuerst operativ entfernt. Im Anschluss bestrahlt man den ehemaligen Tumorbereich gezielt nach, um verbliebene Zellen zu erfassen.

Das Zusammenspiel mit der Onkologie
Bei Hirnmetastasen zeigt sich besonders deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg ist. Die Bestrahlung ist ein Baustein innerhalb der gesamten Krebsbehandlung, nicht ihr Ersatz. Während die Radiochirurgie in NRW sich um die Herde im Gehirn kümmert, führt die Onkologie die Behandlung des Primärtumors und des übrigen Körpers fort.
Manche modernen Medikamente wirken inzwischen auch im Gehirn und können die Bestrahlung sinnvoll ergänzen. Im interdisziplinären Tumorboard legen Strahlentherapie, Onkologie, Neurochirurgie, Neurologie und Radiologie gemeinsam den Behandlungsplan fest.
In diese Abwägung fließen Zahl und Größe der Metastasen, Art des Primärtumors, bisheriger Behandlungsverlauf sowie Allgemeinzustand und persönliche Wünsche ein.

Häufige Fragen
ZAP-X ist ein System für die gyroskopische Radiochirurgie. Am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen wird es seit Anfang 2026 für die Behandlung von Patientinnen und Patienten eingesetzt. Es kostete rund sieben Millionen Euro und ist das erste ZAP-X in Nordrhein-Westfalen.
Ja. Das Alfried Krupp Krankenhaus betreibt das erste und bislang einzige ZAP-X-System in Nordrhein-Westfalen. Die übrigen deutschen Standorte befinden sich in München, Nürnberg und Lingen.
Das Essener Gerät ist das vierte ZAP-X-System in Deutschland und zählt weltweit zu den ersten rund 30 Installationen. Die drei anderen deutschen Standorte befinden sich in München, Nürnberg und Lingen.
In Essen werden vor allem gutartige Hirntumore, Hirnmetastasen und Gefäßmissbildungen sowie bestimmte funktionelle Erkrankungen behandelt. Typische Beispiele sind Meningeome, Akustikusneurinome und einzelne oder mehrere Hirnmetastasen sowie die Trigeminusneuralgie.
Das ZAP-X arbeitet mit einem Linearbeschleuniger statt radioaktiver Kobaltquellen, schirmt die Strahlung selbst ab und benötigt keinen eigens gebauten Strahlenschutzbunker. Die Fixierung erfolgt rahmenlos über eine Maske, die Behandlung ist ambulant, ohne Narkose und häufig in einer einzigen Sitzung.
Eine ZAP-X-Behandlung dauert in der Regel nur etwa 20 bis 45 Minuten und erfolgt meist in einer einzigen Sitzung. Die genaue Dauer hängt von Größe, Lage und Anzahl der zu behandelnden Herde ab.

